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VIP-Interviews

VDF Trainer im Gespräch

Bernward Kirstein

mit Golf-Nationaltrainer Bernward Kirstein über die Rolle des Fitnesstrainings beim Sport mit dem kleinen weißen Ball

VDF Trainer: Herr Kirstein, Sie trainieren die Golf Nationalmannschaft. Welche Turniere stehen in nächster Zeit an und welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Team?

Kirstein: Nach der europäischen Saison mit der Einzel EM der Damen und der Herrn hatten wir Saisonfinale mit den Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf. Danach laufen alle Planungen für das nächste Jahr und das im Winter durchgeführte Training auf die Mannschafts WM 2008 in Australien zu.

VDF Trainer: Wie halten Sie die Spieler fit? Gibt es spezielle Fitnessübungen, wie beispielsweise Pilates für Golfer?

Kirstein: Grundsätzlich ist der Golfsport heutzutage viel athletischer geprägt als noch vor einigen Jahren. Spezifische golfspielerische Fähigkeiten kommen durch einen entsprechend trainierten Spieler nachweislich besser zur Anwendung. Blöcke mit notwendigem Muskelaufbau liegen natürlich in den Trainingsphasen im Winter. Während der Saison werden nur wenige Pausen gemacht, in denen neben dem üblichen Grundprogramm nochmals Reize gesetzt werden können.

VDF Trainer: Gibt es spezielle Muskelgruppen, die beim Golf besonders beansprucht werden? Wenn, ja, welche Rolle spielt das Krafttraining im Trainingsplan eines Golfspielers?

Kirstein: Der Golfschwung ist eine einseitige Schlag- oder Schwungbewegung, da kommt es häufig zu Irritationen des Bewegungsgefühls durch Dysbalancen der Muskulatur oder Überbelastungen im Wirkungsbereich der Sehnen und Bänder. Schulter, Rücken - Strecker und LWS Bereich sind meist betroffen. Häufig unterschätzt wird der Aufbau der Beinmuskulatur. Dort ist viel Kraft notwendig um die auftretenden Kräfte des manchmal 300 Meter lan gen Golfschlages ausbalanciert halten zu können. Gezieltes Krafttraining, das individuell gestaltet wird, hilft, Dysbalancen zu vermeiden. Der langfristig angelegte und begleitete Aufbau der Athleten steht im Mittelpunkt unserer Programme.

VDF Trainer: Empfehlen Sie Ihren Schützlingen eine spezielle Ernährung vor wichtigen Turnieren? Wenn ja, welche?

Kirstein: Grundsätzlich eine ausgewogene Ernährung. Keine besonderen Diäten; Kohlehydrate, Ballaststoffe, Obst und Gemüse, Fette und Eiweiße. In intensiven Trainingsphasen oder während einer längeren Turnierphase z.B. im Sommer substituieren wir wenn nötig. Die Leistungsrelevanz von Ausdauer und Kraft spielt im Golfen eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle. Daher leisten wir uns eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Wichtig ist die vernünftige Ernährung mit angemessenem Trinkverhalten während der manchmal bis 8stündigen Wettkämpfe.

VDF Trainer: Tiger Woods sagte mal, dass ein Golfspiel 100 Prozent mental entschieden wird. Sehen Sie das ähnlich?

Kirstein: Das setzt voraus, dass alle vom gleichen oder sehr ähnlichen körperlichem und technischem Niveau ins Turnier starten. Da beginnt Tiger’s 100% Vorbereitung schon lange vorher in technischer, athletischer und organisatorischer Bereichen. Wer weiß schon, dass Tiger Woods - wenn er eine Startzeit um 8 Uhr morgens hat - um 5 Uhr einen Morgenlauf macht, nach einem Imbiss ein 45minütiges Workout, danach frühstückt. Und wenn er auf den Golfplatz kommt, so gut vorbereitet ist wie wenige.

VDF Trainer: Als Nationaltrainer sind Sie viel unterwegs. Bleibt da noch Zeit für weitere Hobbys?

Kirstein: Zu allererst kommt natürlich die Familie. Spezifische Hobbys haben allerdings neben vielen Interessen keinen echten Platz - aber wenn Zeit übrig bleibt, bin ich gerne draußen: joggen, Rad fahren, Golf spielen - am liebsten mit meiner Frau!

Das Interview führte Timo Stehn

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